Segelfliegen

peterastir2Der Traum vom Fliegen ist so alt wie die Menschheit. Seit jeher träumt der Mensch davon, sich loszureißen von den Fesseln der Schwerkraft und es den Vögeln gleichzutun, die er so beneidet, um ihr scheinbar müheloses Dahinsegeln. Das Alltägliche unter sich zu lassen und hoch über dem Lärm und der Hektik zu schweben, umgeben nur von Luft und den Wolken, damit verbinden viele ihren Traum vom Fliegen. Seine schönste Erfüllung hat dieser Traum wohl im Segelflug gefunden. Im Düsen- und Raketenzeitalter bleibt das Segelfliegen am natürlichsten. Es vereint auf einzigartige Weise Natur, Wissenschaft, Technik und Romantik miteinander, bleibt aber dennoch die zweifellos ehrgeizigste fliegerische Herausforderung die es gibt, ohne Motor Stunden über Stunden in der Luft zu bleiben, dabei Strecken über mehrere hundert oder tausend Kilometer zurückzulegen und das Wetter so gut wie möglich zu nutzen. Es ist das unbeschreibliche Gefühl, wenn man zusammen mit den Vögeln in den unsichtbaren, aufsteigenden Luftmassen gleitet, getragen von nichts als Luft und umgeben von nichts als dem leisen Rauschen des Fahrtwindes, was die meisten Segelflieger so verliebt macht. Otto Lilienthal, der erste aller Segelflieger, welcher im späten 19. Jahrhundert mit seinem Flugapparat Hänge heruntersprang und kurze Strecken glitt formulierte es so:

"Es wird schwer sein, demjenigen, welcher derartige Gleitflüge nie versucht hat, eine richtige Vorstellung von den Reizen einer solchen schwungvollen Bewegung zu verschaffen. Die Tiefe, über welche man dahinschwebt, verliert ihre Schrecken, wenn man aus Erfahrung weiß, wie sicher man sich auf die Tragfähigkeit der Luft verlassen kann. Wenn man, auf breiten Fittichen ruhend, von nichts als der Luft berührt... mit einem gut erprobten Apparat dahingleitet, der dem leisesten Druck gehorchend sich unserem Willen fügt, so läßt das Gefühl der Sicherheit die Gefahr bald vergessen... wie es überhaupt ein unbeschreibliches Vergnügen ist, hoch in den Lüften sich über sonnigen Berghängen zu wiegen, ohne Stoß, ohne Geräusche, nur von einer leisen Aeolsharfenmusik begleitet, welche der Luftzug den Spanndrähten des Apparates entlockt."
(Otto Lilienthal)

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